Über uns

Gastland Leipziger Buchmesse 24

Unter dem Motto „alles außer flach“ präsentieren sich die Niederlande und Flandern gemeinsam als Gastland der Leipziger Buchmesse 2024. Interdisziplinäre Projekte und die Teilnahme an bundesweiten Festivals sollen dazu beitragen, eine neue Generation von Literatur- und Kunstschaffenden aus den Nachbarländern in Deutschland bekannter zu machen. Im Fokus stehen Formate, die über die reine Buchpräsentation hinausgehen, aktuelle Themen aufgreifen und Grenzen überschreiten. Geplant ist der aktive Austausch mit anderen Kunstdisziplinen wie der Darstellenden und Bildenden Kunst, der Kreativindustrie und dem Film, wobei sich bedeutende niederländische, flämische und deutsche Kulturpartner in die Programmgestaltung einbringen.

Begleitend stellt der Bücherpodcast „Kopje koffie“ eine Fülle an Neuerscheinungen aus den Niederlanden und Flandern vor.

Unser Programm ist hier zu finden und wird laufend ergänzt.

Lies mehr über unser Motto hier!

Kuratorinnen

Bettina Baltschev

wurde 1973 in Berlin geboren. Sie studierte in Leipzig und Groningen und lebt heute in Leipzig und Amsterdam. Die Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin war unter anderem für das Internationale Literaturfestival Berlin und die Kurt Wolff Stiftung tätig. Heute ist sie Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrates und arbeitet als Literaturkritikerin für den Hörfunk der ARD und den Deutschlandfunk. Sie moderiert regelmäßig Lesungen und Podiumsdiskussionen und gehört zu den Präsentatorinnen von Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast. Ihr Buch Hölle und Paradies. Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur erzählt die Geschichte eines der wichtigsten deutschen Exilverlage, der zwischen 1933 und 1940 über einhundert Titel veröffentlichte. Das Buch Am Rande der Glückseligkeit. Über den Strand, eine Kulturgeschichte des Strandes, die Bettina Baltschev in den Niederlanden beginnen und auch enden lässt, wurde 2021 mit dem Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis ausgezeichnet und war für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert.

info@bettinabaltschev.de

Margot Dijkgraaf

wurde 1960 in Amsterdam geboren, wo sie auch heute lebt. Als Literaturkritikerin, Autorin, Kuratorin und Moderatorin ist sie mit vielen niederländischen und europäischen Kultureinrichtungen eng verbunden und war unter anderem Gründungsdirektorin des akademisch-kulturellen Zentrums SPUI25 in Amsterdam. Margot Dijkgraaf reist viel und schreibt für die große niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad über Literatur und Kunst. Sie tritt regelmäßig in Radio und Fernsehen auf und berät Festivals, Vorstände und Jurys in den Niederanden und darüber hinaus. Zuletzt war sie Kuratorin der literarischen Kampagne Les Phares du Nord in Frankreich. Margot Dijkgraaf gilt als die literarische Botschafterin zwischen Frankreich und den Niederlanden. Außerdem ist sie Autorin mehrerer Bücher über niederländische Schriftstellerinnen und Schriftsteller – darunter Cees Nooteboom und Hella S. Haasse – sowie über europäische und französische Literatur. 2021 wurde Margot Dijkgraaf für ihr Engagement mit dem renommierten Literaturpreis De Gouden Ganzenveer – die goldene Gänsefeder – ausgezeichnet.

info@margotdijkgraaf.nl

© Nederlands Letterenfonds / Literatuur Vlaanderen, Foto: Marc Driessen

Wenn die Welt sich verändert, verändert sich die Literatur.

Wenn die Welt sich verändert, verändert sich die Literatur. Selten wurde uns das so deutlich vor Augen geführt wie in den vergangenen Jahren. Klimakrise, Überkonsum, Geflüchtete weltweit und Krieg in Europa. Sie berühren die Belletristik, das Kinderbuch und die Lyrik. Sie spiegeln sich im Essay und in den Künsten. Debatten über das Nachwirken von Sklaverei und Kolonialismus, über Rassismus und Diskriminierung schlagen hohe Wellen. Und auch die Geschlechteridentität ist ein Thema, das Kunstschaffende in ihren Arbeiten erforschen. All das manifestiert sich in der aktuellen niederländischen und flämischen Literatur. Denn sie ist: alles außer flach!

alles
außer flach!

Hier werden literarische Gipfel erklommen. Hier läutet der Roman die Alarmglocke für das Klima. Die Poesie hinterfragt Herkunft und Körperlichkeit. Der Essay kritisiert den Krieg und besinnt sich auf die Gefahren, denen die Demokratie ausgesetzt ist. Vergessene Stimmen – Frauen, deren Rolle im öffentlichen Leben lange ignoriert wurde, Nachfahren versklavter Menschen – erklingen aus den Tiefen der Geschichte. Sie sprechen heute laut und klar zu den Leser:innen der Gegenwart.

Wenn die Literatur sich verändert, verändert sich die Welt. Die Gedankenfreiheit wächst. Lesende erkennen, dass die Welt sich ständig wandelt. Kunstbetrachtende sehen, dass nichts gleichbleibt. Die Globalisierung ist kein Status quo mehr, das Wirtschaftswachstum wird in Frage gestellt. Unsere Sprache fungiert bei all diesen Prozessen als Antenne.

Sie ist sensibel austariert und empfänglich für die feinsten Lautverschiebungen. 2023 und 2024 wollen Autor:innen und Künstler:innen aus den „flachen Ländern“ mit ihren deutschen Kolleg:innen und mit Ihnen, dem Publikum, über diese Themen diskutieren. Sie wollen sich mit den großen Fragen unserer Zeit befassen, und zwar in vielfältigen Formen. Neben klassischen Lesungen und Vorträgen wird Literatur mit Musik und Installationen präsentiert. Es werden deutsch-niederländisch-flämische Gespräche, Briefwechsel, Podcasts, Auftritte auf Bühnen und anderswo zu erleben sein. Tiefgründig und ernst, aber auch humorvoll, fröhlich, ausgelassen.

Wir freuen uns auf unseren literarischen Gastlandauftritt 2024 in Leipzig. In der Stadt, deren Bürger:innen 1989 mutig ihre Freiheit eingefordert haben. Seitdem ist die Welt komplizierter und komplexer geworden. Aber sie ist immer noch lebendig, spannend und turbulent. Die Literatur aus den Niederlanden und Flandern zeigt das eindringlich.

Denn sie ist: alles außer flach!

Bettina Baltschev & Margot Dijkgraaf
Kuratorinnen des Gastlandprogramms Niederlande & Flandern 2024

Kontakt

Die Niederländische Stiftung für Literatur, Amsterdam

Nieuwe Prinsengracht 89
1018 VR Amsterdam, Niederlande

unterstützt Schriftsteller:innen, Übersetzer:innen und Literaturfestivals und promotet die niederländische Literatur im Ausland. Unser Ziel ist die Förderung eines lebendigen literarischen Klimas, das in der Literaturgeschichte verankert und auf die neuesten Entwicklungen in der Verlagsbranche abgestimmt ist.

Weitere Informationen: www.letterenfonds.nl/en/

Flanders Literature

Van Noortstraat 20
2018 Antwerpen, Belgien

führt durch die vielfältige und dynamische Literaturlandschaft Flanderns. Wir promoten hochwertige Publikationen von niederländischsprachigen Autor:innen und Illustrator:innen aus Flandern und helfen Verlagen und Festivals, genau die richtigen Titel oder Autor:innen für ihr Programm zu finden.

Weitere Informationen: www.flandersliterature.be/

Mit freundlicher Unterstützung
der Botschaft des Königreichs der Niederlande und der Vertretung von Flandern in Berlin

Pressekontakt

ARTEFAKT Kulturkonzepte
Marienburger Straße 16
D – 10405 Berlin
Tel. +49 (0)30 440 10 720
www.artefakt-berlin.de

Zahlen und Fakten zur Literaturlandschaft in den Niederlanden und Flandern

Rund 25 Millionen Menschen nennen Niederländisch ihre Muttersprache. Das Niederländische hat damit mehr Muttersprachler:innen als alle Skandinavischen Sprachen (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch und Isländisch) zusammen. Die meisten Niederländischsprechenden leben in den Niederlanden (17,8 Millionen Einwohner:innen) und Flandern (6,8 Millionen Einwohner:innen).

2022 wurden in den Niederlanden 43,2 Millionen Bücher für insgesamt 664,2 Millionen Euro verkauft. Obwohl der Absatz in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist der jährliche Umsatz der Buchbranche seit 2012 wegen steigender Buchpreise um 19% gestiegen. In Flandern ist der Umsatz in der gleichen Periode um etwa 4,5% gestiegen. 2022 wurden hier rund 14,4 Millionen Bücher für 218,6 Millionen Euro verkauft. Auffallend ist der leichte Umsatzrückgang von 2,6% im Vergleich zu den Corona-Jahren.

Auch in den Niederlanden und Flandern gewinnt der Onlinehandel immer mehr an Bedeutung. Der Umsatzanteil, der durch physische Läden generiert wird, ist seit Jahren rückläufig. Nach einem Tief in den Corona-Jahren 2020 und 2021, erholt sich der physische Handel 2022 dennoch wieder und erreicht nach einem Umsatzanteil von 42% im Jahr 2021 wieder den Vor-Corona-Wert von 2019 mit 56%. Auffällig ist, dass dem physischen Buchhandel in Flandern eine größere Bedeutung zukommt. Der Umsatzanteil des physischen Buchhandels lag 2022 bei 72%, nur 28% des Umsatzes wurde online generiert.

Besonders ist die Zunahme anderssprachiger Titel auf beiden Märkten. Etwa eines von fünf verkauften Büchern in 2022 war anderssprachig, die meisten davon Englisch. Sowohl in den Niederlanden als auch in Flandern spielen englischsprachige Bücher eine wichtige Rolle. Ein Großteil der jungen Bevölkerung spricht Englisch, das auch im Bildungssystem einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Als Reaktion darauf haben einige Verlage in den Niederlanden damit begonnen, selbst englischsprachige Bücher herauszugeben.

2022 lebten in den Niederlanden etwa 17.600 aktive Autor:innen, die 7.300 neue Bücher publizierten (4.400 literarische Neuerscheinungen) und 2.600 aktive Übersetzer:innen, die 4.100 Bücher aus anderen Sprachen übersetzten (2.300 literarisch). Zusammengenommen sind in den Niederlanden 2022 also rund 11.400 neue Bücher erschienen, davon 6.700 literarische Neuerscheinungen. Rund 600 Bücher wurden aus dem Niederländischen in 44 Sprachen übersetzt, davon etwa 120 ins Deutsche. 60% aller Übersetzungen wurden von der Niederländischen Stiftung für Literatur bzw. Flanders Literature finanziell gefördert.

Wichtige Akteure der Buchbranche: Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken

 

In den Niederlanden gibt es rund 4.000 Verlage, darunter auch viele Gelegenheitsverlage und Self-publisher. Die 44 größten Verlage machen 75% des Umsatzes aus und publizieren 59% aller neuen Titel. Die niederländische und flämische Verlagsbranche sind stark miteinander verwoben, viele flämische Belletristikautor:innen werden von niederländischen Verlagen herausgegeben und der große flämische Verlagskonzern Lannoo besitzt vier große Verlagsgruppen in den Niederlanden.
In den Niederlanden gibt es mehr als 1000 Buchhandlungen, in Flandern sind es etwa 400. Die Buchhandelsdichte ist damit höher als z.B. in Deutschland, wo es 2021 rund 3000 Buchhandlungen gab.

Auch Bibliotheken spielen eine wichtige Rolle. In den Niederlanden gab es 2022 rund 1270 Bibliotheksstandorte mit 3,5 Millionen Mitgliedern, von denen zwei Drittel jünger als 18 Jahre waren. Insgesamt haben die Bibliotheken 24,9 Millionen Bücher in ihren Beständen, die 2022 54,8 Millionen mal ausgeliehen wurden (durchschnittlich 16 Ausleihen pro Bibliotheksnutzer:in). In Flandern sind 1,4 Millionen Menschen Mitglied einer öffentlichen Bibliothek, von denen ein Drittel jünger als 15 Jahre ist. Die rund 600 flämischen Ausleihpunkte haben zusammen eine Kollektion von 18 Millionen Büchern, von denen jeder Benutzer:in durchschnittlich 30 pro Jahr ausleiht.

Eine lebendige Buchkultur

Die Niederlande und Flandern haben eine lebendige literarische Kultur – es wird viel geschrieben und gelesen, obwohl auch hier die Anzahl an Lesenden rückläufig ist. Aus den Umsatz- und Verkaufszahlen wird deutlich, dass Niederländer:innen 2022 durchschnittlich 37,7€ und Flamen rund 32,6€ für allgemeine Bücher ausgaben. 60% aller Niederländer:innen lesen mindestens ein Buch pro Monat, durchschnittlich 14 Bücher (9 Papierbücher und 5 E-books) pro Jahr. Drei von vier Flamen und Flaminnen lesen mindestens ein Buch pro Jahr, durchschnittlich liest jede:r 11 Bücher pro Jahr. Auffallend ist, dass es in den Niederlanden und Flandern sehr viele Leseclubs gibt, nach Schätzungen etwa 6.000. Die Mitglieder sind häufig weiblich und im mittleren Alter, aber auch bei jungen Menschen liegen (digitale) Leseclubs im Trend.

Seit 1932 findet in den Niederlanden jährlich die ‘Boekenweek’ (dt.: Bücherwoche) statt, in der sich 9 Tage lang alles um das Buch dreht. Jede:r Kund:in, der in einem Buchhandel für einen bestimmten Betrag einkauft, bekommt das ‘Boekenweekgeschenk’ dazu, ein Essay oder einen Roman, der jedes Jahr von einer:m anderen renommierten Autor:in geschrieben und in einer Auflage von 800.000 Exemplaren gedruckt wird. Die Bücherwoche wird traditionell mit dem ‘Boekenbal’ in Amsterdam eröffnet, zu dem die gesamte Buchbranche geladen ist. Organisiert wird die ‘Boekenweek’ vom CPNB, einem Verband von Buchhandel und Verlagen für die Promotion der niederländischen Literatur. Im Herbst findet außerdem die ‘Kinderboekenweek’ statt.

Ebenfalls seit 1932 findet in Flandern jedes Jahr im Herbst eine große Buchmesse statt, die 10 Tage lang durchschnittlich 180.000 Besucher begrüßt. Nach coronabedingten Ausfällen in den Jahren 2020 bis 2022, findet die Messe seit 2023 in einer modernisierten Form statt und möchte wieder zu einer Tradition heranwachsen. Darüber hinaus sind die Niederlande und Flandern für ihre ausgeprägte Festivallandschaft bekannt. Viele Städte haben ihre eigenen Literaturfestivals, die immer ein großes Publikum anziehen.

Sowie in den meisten europäischen Ländern, gibt es auch in den Niederlanden und Flandern Sorgen um ein schrumpfendes Lesepublikum. Laut Stiftung Lesen lesen Jugendliche heute 40% weniger als noch vor 5 Jahren. Verlage und Buchhändler:innen versuchen, inventiv auf diese Veränderungen zu reagieren.